Bergoglios Garage

Evangelisation hat etwas mit Verkündigung, Bekehrung und Glaubenswachstum zu tun, was eine Eucharistiefeier von 45 Min. hoffnungslos überfordert, wiewohl die Kernelemente durchaus in ihr vorkommen (Lesungen, Bekenntnis, Kommunion). Hören und Bedenken der Gegenwart Gottes in seinem Wort, und „Inkarnation Jesu durch den Heiligen Geist“ in der Kommunion und die Aussendung in den lokalen Kontext (darum die Bezeichnung „heilige Messe“ vom lateinischen „ite, missa est“ – „geht hin, es ist Aussendung“) erfordert nicht nur eine nachhaltige Alltagspraxis, sondern auch kontinuierliche Vorbereitung und Bereitschaft zur Weiterentwicklung, zum Wachstum im Glauben.

Auch das ist neben Eucharistie-/Abendmahlsfeiern mit ein- bis zweimaligem Sakramentenkatechese- oder Konfi-Kurs in einem jungen Leben und vielleicht begleitendem Religionsunterricht in der Schule bei weitem nicht zu leisten. PP. Franziskus lädt konkret zu Bibellesekreisen „in jeder Diözese, Pfarrei und allen katholischen Gruppierungen“ ein (EG 175). Für eine Kehrtwende zur Evangelisierung als Hauptaufgabe des Gemeindelebens sind Glaubenskurse für Erwachsene und danach Hauskreise zu deren Vertiefung das Gebot der Stunde – ein Anliegen, das schon vor 30 Jahren von der Charismatischen Erneuerung und anderen (Cursillo, Focolare) in die Tat umgesetzt wurde. PP. Franziskus empfahl anlässlich der Priesterexerzitien der internationalen CE in Rom 2015, das „Leben-im-Geist-Seminar“ der CE [siehe Literaturliste] als Standardformat an den jeweiligen Dienstorten der Priester einzurichten.

Die Fusion bisheriger Pfarreien zu Großgemeinden bewirkt nicht von selbst die Hinwendung zur Evangelisierung. Auf die Notwendigkeit eines lokalen Strategieplans habe ich schon mehrfach hingewiesen und [mögliche Abläufe] beschrieben. Aber auch dieser wird nicht ausreichen, wenn nicht an der persönlichen Bekehrung der Gemeindemitglieder und der Selbstevangelisation der Kirche (und ihrer Gremien) gearbeitet wird (EG 3, 73f). [„Kirche der Beteiligung“] von Gemeindemitgliedern an Leitungsaufgaben scheitert, wenn das nötige spirituelle Rüstzeug (ausgehend vom Kerygma, EG 164) dem nicht vorangeht oder es wenigstens begleitet. „Dafür müssen die Teams vor Ort selbst sorgen“ ist ein verhängnisvoller Fehler, weil sie Neueinsteiger überfordert.

Großpfarreien brauchen eine Substruktur in den bisherigen Gemeindekirchen und noch kleineren Einheiten, in denen spirituelle und soziale Beziehungsstärke entstehen und wachsen kann. Als Erzbischof von Buenos Aires hat PP. Franziskus Netzknoten von ca. 2,5 km Abstand  empfohlen, an denen sich die kirchlichen Grundfunktionen kristallisieren. Er sagt auch wie:

„Wenn ihr könnt, mietet eine Garage, und wenn ihr den einen oder anderen disponiblen Laien auftreiben könnt, dann lasst ihn nur machen! Er soll sich um diese Leute hier kümmern, ein bisschen Katechese machen, ja, auch die Kommunion spenden, wenn er darum gebeten wird,“

so 2007 im Interview mit der ital. Zeitschrift „30 Tage in Kirche und Welt“.

So einfach ist das. Ich stelle mir vor, wir würden dies in Deutschland mit dem bei uns verbreiteten Charisma des Organisationstalentes wirklich planmäßig durchführen…! Es würde das gesamte Personalsystem der Bistümer aus den Angeln heben. Und darum passiert es bei uns katholischerseits nur an einigen wenigen auserwählten Orten ([Aachen], [Hannover], letzteres wird angeblich in dieser Form nicht mehr weiter geführt). Auf anderen Kontinenten ist das ganz anders. Schaut mal hier:

Kath.-Gemeinden-gruenden
Das zeigt: Kirche ist weltweit und interkonfessionell in Bewegung, und es entstehen auch ganz neue Formate wie z.B. „Gebetshäuser“, postmodern und (daher…) konfessionsverbindend.

Nachtrag zum Epiphanie-Fest 2016: Das im Beitrag erwähnte Buch von Peter Hundertmark aus dem Bistum Speyer ist wirklich ein Paukenschlag! Es lohnt sich, besonders in Verbindung mit meinen Netzwerkadressen (siehe rechte Spalte). Genaue Angaben siehe [Literatur].

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4 Gedanken zu “Bergoglios Garage

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