Ein neues Pfingsten

Pfingsten ist heute, jetzt! Nicht nur eine historische Reminiszenz an ein ziemlich chaotisches Ereignis mit unvorhersehbaren Folgen vor ca. 2016 Jahren.

„Ein neues Pfingsten der Kirche – der Weg des Glaubens und die Grundaufgabe der Seelsorge“ so hieß meine erste Diplomarbeit über die Möglichkeiten, die Impulse der Pfingstbewegung in einer katholischen Kirchengemeinde zu realisieren.

23 Jahre später habe ich unter dem Titel „Auf dem Weg zur missionarischen Gemeinde“ exemplarisch drei Pfarreifusionen im Bistum Münster für meine Masterarbeit in „Nonprofit-Management and Administration (MNA)“ untersucht, die ganz unterschiedlich verlaufen sind.

Es sind Prozesse! Der Wegcharakter ist ganz deutlich, sowohl für die Glaubensentwicklung des einzelnen Christen, als auch für das Change-Management einer christlichen Gemeinde. Interessant ist dabei, aus welchen Etappen, Stationen und Schritten der Glaubensweg und die Gemeindeentwicklung bestehen.

Der päpstliche Masterplan  „Evangelii Gaudium“ war da noch nicht geschrieben. Er bringt einiges auf den Punkt:

1. Dreh- und Angelpunkt der „Mitte der Evangelisierung und jedes Bemühens um kirchliche Erneuerung“  ist die Erstverkündigung (Kerygma):

Jesus Christus liebt Dich, er hat sein Leben hingegeben, um Dich zu retten, und jetzt ist er jeden Tag lebendig an Deiner Seite, um Dich zu erleuchten, zu stärken und zu befreien.

Das sagt kein Prediger der Jesus-Freaks, sondern PP. Franziskus in EG 164.

2. „Kirche ist da, um zu evangelisieren“, das konnte ich schon 1986 aus der Enzyklika „Evangelii Nuntiandi“ PP. Pauls VI. aus dem Jahr 1975 zitieren. Die katholischen Pastoralprogramme in Deutschland haben das aber nicht vorgesehen. Stattdessen wurde und wird immer noch sakramentalisiert, unter Vernachlässigung der Voraussetzungen, die 1963 bereits in der Liturgiekonstitution benannt wurden

In der heiligen Liturgie erschöpft sich nicht das ganze Tun der Kirche; denn ehe die Menschen zur Liturgie hintreten können, müssen sie zu Glauben und Bekehrung gerufen werden. (SC 9)

Daraus ergibt sich eine methodische Abfolge! Sie  wurde in ihrer Brisanz völlig übersehen. Glaube und Bekehrung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wurden für die Katechese einfach als schon geschehen vorausgesetzt – ein Fehler mit verheerenden Folgen.

3. Konsequenterweise weist PP. Franziskus auf die Selbstevangelisierung der kirchlichen Mitarbeiter/innen hin: „Die Kirche evangelisiert nicht, wenn sie sich nicht ständig evangelisieren lässt.“ (EG 174) Wie geht das? Der Masterplan „für den Lauf der Kirche in den kommenden Jahren“ (EG  1) beginnt in Nr. 3 mit einer Einladung zur persönlichen Bekehrung, wo auch immer, und zwar noch heute, d.h. bis 24 Uhr:

Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen. Es gibt keinen Grund, weshalb jemand meinen könnte, diese Einladung gelte nicht ihm, denn „niemand ist von der Freude ausgeschlossen, die der Herr uns bringt“.

Sein Leben Jesus anzuvertrauen, von der Geburt bis zum eigenen Tod, ihm danken für die Wegbegleitung und Jesu Hingabe am Kreuz und seine Auferstehung als persönliches Geschenk anzunehmen, das fasst PP. Franziskus auch sofort in einem kurzen Übergabegebet zusammen:

Das ist der Augenblick, um zu Jesus Christus zu sagen: „Herr, ich habe mich täuschen lassen, auf tausenderlei Weise bin ich vor deiner Liebe geflohen, doch hier bin ich wieder, um meinen Bund mit dir zu erneuern. Ich brauche dich. Kaufe mich wieder frei, nimm mich noch einmal auf in deine erlösenden Arme.“

Selbstverständlich kann und sollte das jeder in seine eigenen Worte fassen und aussprechen. Nachhaltig wird es, wenn dabei ein oder zwei Gebetspartner die Lebensübergabe mit ihrem helfenden Gebet unterstützen. Verschiedene empfehlenswerte Kursformate (Alpha-Kurs, Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes, Vallendarer „Wege erwachsenen Glaubens”) sehen dafür eigene Gottesdienstformate vor (mehr Info dazu unter „Literatur“ bzw. „Mein Netzwerk“).

Dieser Bekehrungs-Ansatz für eine umfassende Kehrtwende in der Pastoral ist in meinen Augen absolut evangelikal. Vielleicht müsste man ihn  als [„neo-evangelikal“] bezeichnen, denn Evangelisierung bleibt nicht beim persönlichen Seelenheil stehen, sondern hat nichts weniger als die Transformation der Gesellschaft im Sinne der Bergpredigt (Mt. 5+6) zum Ziel. Die neuen fusionierten Mega-Pfarreien sollten „Evangelii Gaudium“ als Initialzündung für eine pastorale Strategie heranziehen, um taufbewusste Mitglieder für beziehungsstarke Gemeindekirchen zu gewinnen:

Jeder Getaufte ist, unabhängig von seiner Funktion in der Kirche und dem Bildungsniveau seines Glaubens, aktiver Träger der Evangelisierung. (EG 120)

Wie ich das beim Pfingstfest 2016 erlebt habe, erzähle ich [im nächsten Blog] unter der Kategorie „Lernen“.

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