100. Katholikentag

Leipzig16-26-kl
In Thüringen und Sachsen-Anhalt haben es die Christen begriffen: Kirche ist in Zukunft nur dann glaubwürdig, wenn Konfessionen versöhnt und gemeinsam Menschen für Jesus gewinnen wollen. Auf Theologen, Bischöfe u. a. Hauptamtliche können wir nicht mehr länger warten!

Im Katholikentagsrückblick der kath. Bistumszeitung „Tag des Herrn“ heißt es:

Es ist eher unwahrscheinlich, dass die kath. Kirche in Deutschland auf Wachstumskurs geht.

Das sehe ich auch so. Aber ebenso unannehmbar ist es für mich! Wenn wir nicht auf Wachstumskurs umschwenken, haben wir unsere biblische Legitimation verraten. Der Missionsauftrag Jesu spricht von der Jüngerschaft „aller Völker … bis an die Enden der Erde.“ (Mt. 28, 19; Apg. 1, 8). Er sagt nicht:

„Richtet Euch darauf ein, als eine Gruppe neben vielen anderen in der Gesellschaft zu existieren und diese Gesellschaft – auch im Blick auf den Wertekanon – mitzugestalten.“ (Matthias Holluba a.a.O.)

Ich stelle mir vor, Petrus hätte so beim ersten Pfingsten gepredigt…!

Auf der Kirchenmeile gibt es einen Stand der „Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindeentwicklung“. Es ist die einzige für mich sichtbare Initiative in diesem Sektor. Ich habe den Eindruck, dass hier konfessionell ziemlich einbahnig fokussiert wird. Aber im Gespräch wird immerhin deutlich, dass man um Willow-Creek, fresh eXpressions of church, kirche-hoch-zwei, das Aachener Kundschafternetzwerk und viele andere Gemeindeaufbau-Initiativen weiß. Warum präsentieren sie sich dann nicht? Die Bistümer zeigen ihre Mega-Pfarreien-Konzepte.

 „Ohne neues Leben und echten, vom Evangelium  inspirierten  Geist,  ohne  »Treue  der  Kirche  gegenüber  ihrer  eigenen  Berufung«  wird  jegliche neue Struktur in kurzer Zeit verderben.“ (Evangelii Gaudium 26)

Die Berufung der Kirche und aller ihrer Glieder ist: Mission! Erforderlich sind Strategien zum Aufbau beziehungsstarker Gemeinschaften, mit Jesus und untereinander. Man muss schon sehr genau suchen, um so etwas auf dem Katholikentag zu entdecken. Manch neuer Schlauch enthält immer noch den Wein des 19. Jahrhunderts. Ich glaube nicht, dass man junge Leute zum Rosenkranzbeten, Beichten und Eucharistie-Verehren motivieren kann, wenn das Ganze einfach in Praise & Worship-Songs  gepackt wird. So etwas geht am Missionsauftrag der Kirche vorbei, weil es wieder nur an den Symptomen herumkuriert. Was der Inhalt der kirchlichen Verkündigung und ihrer Erneuerung sein muss, steht in Evangelii Gaudium Nr. 164, kurz und knackig.

Es gibt viel zu tun, das wird durch das leidenschaftliche Statement von Prof. Thomas Söding über die paulinische Mission in Korinth beim Podium „Gemeindeaufbau und Gemeindewachstum – Anregungen aus geistlichen Gemeinschaften“ überdeutlich – die pastorale Hilflosigkeit der auf dem Podium anwesenden Praktiker ist mit Händen zu greifen. Wie konstruktiv ist dagegen die Initiative [„Anders wachsen“], die schon am Ziel der Mission arbeitet, nämlich „Kirchgemeinde als transformierende Kraft vor Ort“ zu erleben! „Meine Gemeinde verwandelt die Welt!“ hier kommt das Profil der Willow-Creek-Community inhaltlich und massiv zur Geltung. Leipzig16-27-klDie Petersgemeinde in Leipzig (wo die „Jugendkirche“ des Katholikentags ist) und die Andreasgemeinde stellen ihre Strategien und Engagements vor, an deren Beginn die Einladung zur persönlichen Bekehrung steht (wie es PP. Franziskus in EG 3 beschreibt). „Gewinnend und mutig über den eigenen Glauben reden“, dieser Workshop entpuppt sich dann ein wenig als Heimspiel für mich, denn es geht um den Jugend-[Alphakurs], den Jugendliche (!) aus Detmold nicht nur Gleichaltrigen, sondern auch einer Truppe von Senioren als Firm- oder Konfikurs erläutern, und einen ersten Schritt auch direkt einüben. Die Senioren sind ziemlich sprachlos.

Ein Grundlagen-Podium schaffe ich noch: „Was ist Kirche? Das Kirchenbild als Kern der Ökumene“. Freie Evangelische Gemeinde, ev. Landeskirche, Orthodoxie und röm.-kath. Referenten stellen ihr Kirchenverständnis vor. Spannend: Die einzige Frau vertritt die kath. Position (Prof. Johanna Rahner), und die beiden evangelischen Vertreter sprechen immer von „der Katholizität“ ihrer Kirchen. Noch spannender: Das freikirchliche (Prof. Markus Iff) und das kath. Leitbild weisen für mein Verständnis mehr versöhnliche Schnittmengen als Kontraste auf. Wieder einmal wird deutlich, dass konziliare Reformgedanken auch weiterhin noch aufgearbeitet werden müssen und eine Riesenchance für den Weg zu einer lokalen „postkonfessionellen Ekklesie“ bilden. Markus Iff erzählt mir im anschließenden kurzen Smalltalk von zwei Jugendmitarbeitern seiner FEG, die als Gruppenleiter in der benachbarten kath. Gemeinde engagiert sind. Fazit: Auch wenn wir offiziell von postkonfessionellen Gemeindeformaten noch entfernt sind, so sollten und können wir doch schon jetzt Brücken zueinander bauen. Soviel wie möglich! Und zwar „an der Basis“! Durch uns selbst!

Kern jeglicher Erneuerung der Kirche ist die persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Ein Ersatz durch Programme, Methoden oder gar Verwaltungsstrukturen setzt viel zu hoch an und verfehlt die Grundidentität der Kirche: Evangelisierung. Auch dieses Katholikentagsjubiläum bietet noch viel zu wenig Potential für die Glaubenserneuerung des Einzelnen und ḱonkrete Aufbau- und Entwicklungsstrategien für das Wirken des Heiligen Geistes in den Ortsgemeinden innerhalb der Mega-Pfarreien. Die Freikirchen mit ihren Wachstumsergebnissen machen es uns vor! Auch PP. Franziskus wirbt für einen

neuen, von Jesus befeuerten Geist des Abenteuers und des geistlichen Unternehmertums; … Männer und Frauen, die nicht bereit sind, einfach zuzuschauen und sich dem status quo der Apathie anzupassen, von der sich viele Christen so einlullen lassen, dass ihnen die Mission Jesu gleichgültig wird. (Dave & Jon Ferguson)

Auf dem [Katholikentag 2012 in Mannheim] mochte ich noch nicht an den „zu wagenden Aufbruch“ glauben. Inzwischen habe ich selbst ihn gewagt und sehe mich gerade durch die kritischen Anfragen beim 100. Katholikentag in Leipzig bestätigt und vor allem: Ermutigt und motiviert, nicht nachzulassen!

 

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