Fünf nach zwölf in Friedrichstadt

Urlaub im „Holländerstädtchen“ am Zusammenfluss von Treene und Eider, dem südlichsten Punkt von Nordfriesland. Eine faszinierende Stadtgeschichte. Glaubensflüchtlinge wurden nach dem 30-jährigen Krieg vom dänischen König eingeladen, dem geschundenen Land wieder auf die Beine zu helfen. So kamen [Remonstranten] aus den Niederlanden, [Mennoniten], Katholiken, Lutheraner, Juden und zeitweise auch [Quäker] und weitere kleine Gruppen und siedelten sich an, um „es zu schaffen“. Gemeinsam im Stadtrat! Besonders die Remonstranten sorgten immer wieder dafür, dass den anderen Minderheiten Toleranz und Akzeptanz widerfuhr. 1938 gelang das allerdings nicht mehr. Die Christen Friedrichstadts vermochten es nicht, die jüdische Gemeinde vor der Vernichtung zu bewahren … Fünf nach zwölf in Friedrichstadt weiterlesen

Wer die Hand an den Pflug legt…

… und nochmals zurückschaut, taugt nicht für das Reich Gottes. (Lk 9, 62) Das bleibt hängen aus dem Sonntagsgottesdienst von heute. Ich singe im Domchor. Katholische Liturgie vom 13. Sonntag im Jahreskreis, mit ihrer ganzen Feierlichkeit, aber auch herausfordernd durch die [drei Bibeltexte], aus denen gelesen wird. Das braucht seine Zeit. Die Gemeinde hört nicht nur zu, sie soll auch jeweils antworten. Mit Gesang. Hier hat die Kirche wirklich aus der Reformation gelernt! Bischof Bode ist bemüht, mit seiner Moderation und Predigt die Liturgie nicht zum Museum verkommen zu lassen. Nicht ganz einfach. „Jeden Tag erfahren wir aufs Neue das … Wer die Hand an den Pflug legt… weiterlesen

Straßenexerzitien

Neben den morgendlichen Bibelarbeiten und den vielfältigen Gottesdiensten ist das Hineinschnuppern in den Workshop „Straßenexerzitien“ mit Christian Herwartz SJ mein spirituelles Highlight des 100. Katholikentags in Leipzig. Geistliche Übungen nach Ignatius von Loyola auf der Straße? Geht das? Keine Stille, kein Sich-Zurückziehen, keine Vorträge, nichts lesen… Wir sind ca. 70 Interessenten, wie weiland bei Lk. 10, 1-11. Frauen und Männer aller Altersgruppen. Christian Herwartz erläutert, was man über Exerzitien auf der Straße wissen muss. Er hat diese Form „erfunden“ und mit einem Team jahrelang in Berlin und anderswo ausprobiert. Normalerweise dauern Straßenexerzitien 7-10 Tage, mit spartanischer Unterbringung in Gemeindehäusern. Was … Straßenexerzitien weiterlesen

100. Katholikentag

Im Katholikentagsrückblick der kath. Bistumszeitung „Tag des Herrn“ heißt es: Es ist eher unwahrscheinlich, dass die kath. Kirche in Deutschland auf Wachstumskurs geht. Das sehe ich auch so. Aber ebenso unannehmbar ist es für mich! Wenn wir nicht auf Wachstumskurs umschwenken, haben wir unsere biblische Legitimation verraten. Der Missionsauftrag Jesu spricht von der Jüngerschaft „aller Völker … bis an die Enden der Erde.“ (Mt. 28, 19; Apg. 1, 8). Er sagt nicht: „Richtet Euch darauf ein, als eine Gruppe neben vielen anderen in der Gesellschaft zu existieren und diese Gesellschaft – auch im Blick auf den Wertekanon – mitzugestalten.“ (Matthias … 100. Katholikentag weiterlesen

Keine Gewalt

„Keine Gewalt. Das ging von der Nikolaikirche aus. Keine Gewalt! Und mit Kerzen in den Händen. Die einzig wirklich gelungene Revolution der deutschen Geschichte.“ So ähnlich hat Hans-Dietrich Genscher es in einem Interview gesagt. Nach [Helmut Schmidt] hat ein zweites großartiges Vorbild meiner Generation seine Zeit auf dieser Erde vollendet. Auch bei den aktuellen Auseinandersetzungen in diesem Land bleibt der friedfertige Umgang miteinander eine Aufgabe besonders für Christen. Wir leben nicht in einer Merkel-Diktatur, wie uns einige Gestrige wortgewaltig besonders in den sozialen Netzwerken weismachen wollen. Religion, Presse, Foren, Blogs sind frei, und die Menschenwürde ist unantastbar. Gott sei Dank! Keine Gewalt weiterlesen

Wehret den Anfängen!

Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst! (Lev./4. Mos. 19, 34) Am Tag nach den erdrutschartigen Wahlerfolgen der sog. „AfD“ bei drei Landtagswahlen heißt es für alle Christen: Runter vom Sofa, raus mit dem Kopf aus dem Sand, offensiv bekennen, was wir glauben! In ihrem Wahlprogramm für Baden-Württemberg lese ich, dass sich diese Partei „christlich“ findet. Es ist also christlich und ich handle nach „unseren Werten“, wenn ich dem Ertrinkenden keinen Rettungsring zuwerfe, weil ich davon ausgehen muss, dass er ja wahrscheinlich „nicht integrierbar“ und „kulturfremd“ … Wehret den Anfängen! weiterlesen

„Leadership live“ 2. Teil

Im Zentrum des [1. Teils] stand ein Planspiel mit vielen Rollen verschiedener Leitungsfunktionen. Im Abstand von drei Monaten haben wir die damals aufgetretenen Probleme gemeinsam erinnert und nochmals ausführlich unter die Lupe genommen, besonders die Stellen, wo die Seminarleitung ihr professionelles „Stop“ gerufen hatte, wenn wir uns im Planspielkomplex verfranzt hatten. Die hohe Kür einer sich selbst steuernden Gruppe (dieses Ziel ist gar nicht für alle und jede Situation erstrebenswert!) ist besonders unter dem Focus der Rollendifferenzierung Rollenbalance (Kommunikation auf Augenhöhe) und Rollenklärung zu analysieren, um zu befriedigenden Ergebnissen zu kommen. Das bekannte Bild des „Eisbergs“, bei dem 1/5 sichtbar … „Leadership live“ 2. Teil weiterlesen

Meine Basics

Nach meiner konfessionell-pastoralen Standort-Vergewisserung (siehe unten Punkt 4), aber noch vor dem Abschluss meiner Leiterfortbildungen und dem noch nicht ganz vollständigen Berufungs-Check fasse ich die Basics dieses Jahres als Volunteer in einer Gemeinde des evangelikal-charismatischen Mülheimer Verbands zusammen: 1. Programm Auslöser für meinen Neuanfang ist der Masterplan von PP. Franziskus [„Evangelii Gaudium“], von dessen Nr. 3 ich mich [persönlich betroffen] sehe und die nicht nur Pflicht-Lektüre für alle pastoral Interessierten ist, sondern auch Einladung, Bekehrung konkret zu vollziehen, und zwar „noch heute“, also bis 24:00 Uhr! Evangelisierung ist die Grundidentität jeglichen kirchlichen Handelns. Das kann man in „Evangelii Nuntiandi“ von … Meine Basics weiterlesen

Was nehme ich mit nach Hause?

Die [ersten Eindrücke] sind verdaut, die ersten Erfahrungen ausgetauscht. Was nehme ich vom vom [Willow-Leitungskongress 2016] und dem einleitenden Seminartag von „[Fresh eXpressions Of Church]“ mit nach Hause? Für meine Gemeinde war es absolut wertvoll, dass die komplette neue Gemeindeleitung und noch einige weitere Gemeindemitglieder dabei waren. Unsere Tochtergemeinde war sogar mit einer 20-er-Crew vertreten. Die haben jetzt viele Leute, die der Gemeindeleitung auf die Finger sehen können! Aber auch für mich selbst gab es neue Perspektiven oder Vertiefungen von bereits Gelerntem. Die Vorträge von Bill Hybels über die Hinter- und bisweilen auch Abgründe in der Wahrnehmung von Leitung gingen … Was nehme ich mit nach Hause? weiterlesen

Barmherzig wie Muttern…

Das [hl. Jahr der Barmherzigkeit] und die ökumenische [Jahreslosung 2016] gehen eine wunderbare Symbiose ein, besonders für unsere guten Vorsätze im neuen Jahr. Das Geschenk väterlicher und mütterlicher Barmherzigkeit möchte mich veranlassen, meinerseits Barmherzigkeit walten zu lassen, zärtlich, wie bei Muttern! Das ist meine Medizin gegen Depression, der sich viele Zeitgenossen in unserem Wohlfahrtsstaat ausgeliefert sehen. Was mich hoffen lässt: Noch nie waren so viele Christen und andere Menschenrechtler engagiert, um Schutzbedürftigen zu helfen! Das wird bei allem „Jammern auf hohem Niveau“ viel zu wenig gewürdigt, ja unterschlagen. Noch nie haben so viele Bürger/innen mutig ihr persönliches Stück Verantwortung übernommen  … Barmherzig wie Muttern… weiterlesen

Das Licht der Welt erblickt das Licht der Welt

Das Kind in der Krippe liegt nicht auf dem abgedroschenen Stroh der Vergangenheit, sondern auf Zeitungspapier, mit den top-aktuellen Schlagzeilen. Die Herrscher dieser Welt unterdrücken ihre Völker und missbrauchen ihre Macht über die Menschen. „Bei Euch aber soll es nicht so sein! Wer bei Euch groß sein will, der soll Euer Diener sein.“ (Mk. 10, 42-45) Christen haben einen anderen Maßstab durch das Kind, das zu uns gekommen ist. Es ruft uns zu: Wenn das Wohl aller Menschen, und nicht das Gesetz der Stärke das Handeln bestimmt, könnte Euer Zusammenleben im Kleinen wie im Großen ein neues Gesicht bekommen und … Das Licht der Welt erblickt das Licht der Welt weiterlesen

charismatisch

„Weg von einer nur aufgabenorientierten hin zu einer gabenorientierten Pastoral“, fordert die Bistumsleitung 50 Jahre nach dem 2. Vatikanischen Konzil, [ausführlich hier]. Das erfordert nicht nur einen „milden Perspektivwechsel“, sondern gem. Evangelii Gaudium eine „conversión“ – Bekehrung, Kehrtwende, auch wenn sich im Kirchenvolk Ignoranz oder Gegenwehr breitmacht. Gabenorientierung ohne Wiederentdecken der neutestamentlichen Charismen aus Röm. und 1. Kor. 12 wird eine Sprechblase bleiben. Welche Gemeinde hat ein praktikables Konzept, um diese Kehrtwende ihrer Pastoral auch wirklich zu vollziehen, jetzt? Es gibt sie längst. Aus der [Willow-Creek-Community] kommt z. B. das D.I.E.N.S.T.-Seminar, dessen Professionalität mit dem im Unternehmensmanagement verbreiteten DISG-Persönlichkeitstest ich … charismatisch weiterlesen