Wie es anfing

[15. Oktober 2014] 65 und „weg vom Fenster“? Nein. Ich bin zwar auf Pilgerschaft, aber durch die Zeiten meines Lebens. Herzlich willkommen in meinem Life-Blog!

Für meinen Blog muss ich etwas ausholen, damit der Prozess der Lebenswende nach Ende der Familien- und Berufsphase deutlich wird. Die Zeitstempel der Beiträge werde ich rückdatieren, bis ich in der Gegenwart angekommen bin, wo ich angefangen habe, zu bloggen.

„Altern ist wie Pubertät“: es passiert eine Menge – und selten ist man darauf vorbereitet. Daher habe ich schon mehr als ein Jahr vorm 65. Geburtstag mich und auch meine Lieben gefragt: „…und was kommt dann?“ Als es dann soweit war, gab’s einen schönen Plan, passend zu meinen Interessen, abgecheckt mit den Verantwortlichen, aber deren Vorgesetzte wollten nicht. Bitte kein Ehrenamt an der Stelle – und ich war entsetzt – zuerst jedenfalls.

50 Jahre Konzil - und jetzt?
50 Jahre Konzil – und jetzt?

Also „Plan B“ auf den Tisch und weitere Klärungsgespräche. Das lief schon besser, zumindest zeichnete sich die Richtung ab. Dann Kontakte zu den umliegenden Kirchengemeinden. Das war nicht so prall: In den Gottesdiensten sehe ich noch weniger Leute, als in meinem Beruf, und die haben mehrheitlich graue Häupter. Liturgische Dienste sind schlecht oder manchmal überhaupt nicht vorbereitet. Bei den Mitarbeitern schlägt mir eine große Unsicherheit und Ideenlosigkeit entgegen. Die lutherische Nachbarkirche wird Hals über Kopf für das Theater entwidmet. Niemand beschwert sich ernsthaft, es war lange geplant, die Gemeinde ist schon lange fusioniert. Ein letztes Mal ist die Kirche gut gefüllt, und die Zeitung schreibt einen tränenreichen Artikel zum Abschied. Welche Gemeinde wird wohl als nächste „entsorgt“? Diese Schicksalsergebenheit kann doch nicht die Zukunft des Glaubens von Leuten sein, die sich Christen nennen!

Einer der „existenziellen Störfälle“ in meinem Leben war der Katholikentag 2012 in Mannheim, wo ich die Foren über „Gemeinsames Priestertum konkret“ (mit Christian Hennecke) und Workshops über die Mannheim 2012kath. Gemeindeneugründung „Soul-Side Hannover-Linden“ besuche. In der Fußgängerzone erlebe ich einen jungen kath. Straßenprediger, der mich mit seinem Glaubenszeugnis ungeheuer beeindruckt. Ich interviewe ihn ein wenig und wir beten spontan füreinander. „Einen neuen Aufbruch wagen“, wozu das Katholikentagsmotto aufruft? Ich kann es noch nicht glauben. Viele Glaubensgeschwister erscheinen mir depressiv, ich erlebe auch die verzweifelte Geschichte eines pastoralen Mitarbeiters aus dem Bistum Limburg. Ich muss runter vom Sofa – wenn nicht heute, wann dann?

Der nächste „existentielle Störfall“ war meine letzte Pastoralkonferenz des Dekanates als Mitarbeiter im pastoralen Dienst unmittelbar vor Ende des Berufslebens. Es geht um „fresh expressions of church“, um neue pastorale Formate, um das missionarische Engagement von Christen und Gemeinden. Praktiker erzählen begeistert von ihren Erfahrungen. Irgendwie versetzen mich diese Themen in eine merkwürdige innere Unruhe. Unser Bischof ist dabei. was dem Ganzen noch zusätzliches Gewicht gibt. (Ich wünsche mir ein Abschlussgespräch mit ihm, was ich einige Zeit später auch führen darf.) berufung-schild-300Die Teilnehmer/innen tauschen sich über „Kirchenträume“ aus. Wir sprechen darüber, welche „toten Pferde“ wir eigentlich in der Gemeindearbeit reiten und warum wir nicht davon lassen können. Wir sammeln, was als Nächstes Not täte für unsere Kirche – und als ich in der Mittagspause an der langen Moderationswand entlang gehe, fällt mir eines auf: Es ist die Dokumentation eines grandiosen, 30-jährigen Stillstands in der kath. Kirche! Solche Gruppenarbeiten haben wir in der Vergangenheit (schon im Religionspädagogik-Studium!) in verschiedenen Zusammensetzungen doch immer wieder gemacht! Ohne schon zu wissen, welche Wende mein Leben nehmen würde, plädiere ich für eine neue Ausrichtung der Gemeindepastoral, für neue seelsorgerliche Kategorien, ja für die Gründung neuer Gemeinden in der katholischen Kirche, wenn die neuen Mega-Pfarreien dies nicht schaffen oder wollen. Und dass es am Willen fehlt, ist in den Pausen auf dem „stillen Örtchen“ deutlich zu hören. Im Abschlussgottesdienst verabschiede ich mich auch als ltd. Notfallseelsorger von meinen Schwestern und Brüdern und spüre, dass noch etwas ganz anderes auf mich zukommt.

„Wenn wir nur 80 Jahre haben, dann ist das eine zu kurze Zeit,
um sich keine Fragen zu stellen.“ [Marcus-B. Hübner]

[Hier ist „60plus“ auch ein Thema!]

[Zeitraffer]
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7 Gedanken zu “Wie es anfing

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