Wer die Hand an den Pflug legt…

… und nochmals zurückschaut, taugt nicht für das Reich Gottes. (Lk 9, 62)

Das bleibt hängen aus dem Sonntagsgottesdienst von heute. Ich singe im Domchor. Katholische Liturgie vom 13. Sonntag im Jahreskreis, mit ihrer ganzen Feierlichkeit, aber auch herausfordernd durch die [drei Bibeltexte], aus denen gelesen wird. Das braucht seine Zeit. Die Gemeinde hört nicht nur zu, sie soll auch jeweils antworten. Mit Gesang. Hier hat die Kirche wirklich aus der Reformation gelernt! Bischof Bode ist bemüht, mit seiner Moderation und Predigt die Liturgie nicht zum Museum verkommen zu lassen. Nicht ganz einfach.
„Jeden Tag erfahren wir aufs Neue das Wirken deiner Güte. Schon in die­sem Leben besitzen wir den Heiligen Geist, das Unterpfand ewiger Herrlichkeit. Durch ihn hast du Jesus auferweckt von den Toten und uns die sichere Hoffnung gegeben, dass sich an uns das österliche Geheimnis vollendet.“ Wow, wir sind gemeint, Du und ich!

Nach dem Gesang des Osnabrücker Friedensliedes „Nun lob mein‘ Seel‘ den Herren“ (GL 824, EG 289) sehe ich beim Auszug zwar nicht bei allen, aber bei Vielen in lächelnde Gesichter. Sie scheinen von der Feier der Begegnung mit Jesus durch Gemeinschaft, Wort und Zeichen angerührt zu sein und nehmen Trost und Kraft mit in die kommende Woche. Welch ein Glück, Gott nahe zu sein! (Ps. 73, 28, Jahreslosung 2014)

Ja, ich habe meine Hand an den Pflug gelegt mit meiner Entscheidung, dem „Erfolgsgeheimnis“ einer evangelikal-charismatischen Gemeinde auf die Spur zu kommen. Ich sehne mich nicht nach der Mainstreampastoral zurück. Dennoch bin ich dankbar und das ist auch gut so: Dankbar für die Kirchenträume, die wir hatten, aber nicht umzusetzen wussten. Dankbar für ein Bistum, in dem solche Träume überhaupt möglich sind und seit Kurzem auch „top down“ in der Pastoralabteilung (mit ihrer Frauenpower!) mit [ersten Strategien] weiterverfolgt werden. Dankbar für einen Bischof, der seine Dogmatik beim Nestor der katholisch-charismatischen Erneuerung (Heribert Mühlen) gelernt hat. Dankbar für die Kirchengremien, die zwar ihre Mühe und Sehschwächen mit dem Erkennen der Zeichen der Zeit haben, dem Kairos des Heiligen Geistes aber nicht grundsätzlich verschlossen sind. Dankbar für Gemeinden, in denen ziemlich unabhängig von den Entwicklungen in den Großkirchen (also „frei…“) die Zukunft des Glaubens schon begonnen hat und die, wie beim Mülheimer Verband, aus einer tiefen Talsohle in den 1980-er Jahren heraus, auf Wachstumskurs gegangen sind. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden in den freikirchlichen Gemeinden meiner Stadt mehr Menschen den Sonntagsgottesdienst feiern, als in den katholischen Kirchen. Gemeinden mit Menschen, die wissen, wofür es sich zu leben lohnt, sind anziehend. Das ist keine Frage der rein äußerlichen Attraktivität. Gute Musik gibt es hier wie dort.

Der Kairos besteht aus der persönlichen Begegnung mit Jesus Christus. Sie passiert, wie und wo der Geist es will – beim Einzelnen, in Gruppen, auch in ganzen Gemeinden (nicht nur in der Stadt!) ist das möglich, wenn wir Jesus in unser Leben einladen. Es passiert ohne Rücksicht auf Traditionen oder Konfessionen.

Neuhof
„Der Geist durchbricht die Gitterstäbe, die wir voreinander aufgerichtet haben“, prophezeite Roger Schutz beim Konzil der Jugend 1974 in Taizé. Es ist wahr, wir müssen es nur wahrnehmen und dann tatkräftig mit anpacken – „wagemutig und kreativ, großherzig und mutig, ohne Beschränkungen und Ängste“ (EG 33) , wie PP. Franziskus es unmissverständlich einfordert. Wer pflügt, kann nicht rückwärts gehen! Und ohne vorwärts zu gehen kann auch der beste multikonfessionelle Pflug nichts ausrichten. Das Reich Gottes liegt immer vor uns.

Mit den Sommerferien geht „mein freiwilliges Jahr“ als Volunteer in einer freikirchlichen Gemeinde zu Ende. Das Arbeitsfeld dort bleibt, es beginnt eine Zeit des „Trainings on the job“ mit festen Verantwortlichkeiten. Und auch dann gibt es noch Neues zu entdecken und mitzuhelfen, das Christliche in der Stadt weiter zu entwickeln. Mit Gottes Hilfe – und, so er es will, ohne die Mängel von früher: gut vernetzt, professioneller und missional!

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